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Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW veröffentlicht Thesen zum verletzlichen Verbraucher

Am 14.04.2013 veranstaltete das Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW in Düsseldorf einen Workshop zum Thema „Der verletzliche Verbraucher: Die sozialpolitische Dimension der Verbraucherpolitik“.

Heute wurde eine Veranstaltungsdokumentation sowie ein Thesenpapier veröffentlicht, das die Essenz der Vorträge und Diskussionen bündelt. Die Thesen werden hier zusammenfassend ohne die im Thesenpapier vorhandenen weiteren Erläuterungen wiedergegeben:

1) Thesen zur Ausgangssituation und zum Handlungsbedarf

1.1: Die derzeitige Verbraucherpolitik ist an den Möglichkeiten und Ressourcen der Mittelschicht ausgerichtet – die Interessen verletzlicher Verbraucher werden bislang unzureichend berücksichtigt.

1.2: Eine moderne Verbraucherpolitik muss sich um alle Verbrauchergruppen kümmern – hierfür ist eine differenzierte Strategie notwendig.

1.3: Für eine differenzierte Strategie in der Verbraucherpolitik und eine effektive Verbraucherberatung ist es erforderlich, mehr über die Lebenslagen verletzlicher Verbraucher zu wissen und Instrumente hinsichtlich ihrer Eignung zu testen.

 

2) Erkenntnisse zu verletzlichen Verbrauchern aus der Forschung

2.1: Auch wenn verletzliche Verbraucher in der Verbraucherpolitik und -forschung als ein neuer Forschungsbereich erkannt werden, so gibt es andere Forschungsbereiche und hier insbesondere die Armutsforschung, die sich schon seit vielen Jahren mit dieser Gruppe beschäftigt und wichtige Erkenntnisse zutage gefördert hat.

2.2: Die Verbraucherpolitik sollte sich nicht so sehr an einzelnen Verbrauchern, sondern an Haushalten ausrichten und das Lebenslagekonzept anwenden.

2.3: Für Unternehmen stellen Kinder und Jugendliche eine wichtige Zielgruppe dar – allerdings weiß die Forschung noch wenig über das Kaufverhalten und die Kaufentscheidungen von Kindern.

2.4: Selbst die gut gebildete Verbrauchergruppe der Young Professionals agiert beim Kauf von Finanzdienstleistungen weit entfernt vom Idealbild eines mündigen Verbrauchers.

2.5: Die Gesundheitspolitik wird von einem Leitbild dominiert, das als normatives Ziel legitim, mit der Lebensrealität jedoch wenig gemein hat.

2.6: Auch wenn die Diskussion über Energiearmut in den vergangenen Jahren an politischer Aufmerksamkeit gewonnen hat, fehlt es bislang noch an einer grundlegenden Definition und Erkenntnissen über Ursachen und Handlungsmöglichkeiten.

2.7: Verletzliche Verbraucher können im Bereich des nachhaltigen Konsums wichtige Impulse für andere Verbrauchergruppen geben.

2.8: Die Rahmenbedingungen des Online-Handels zeigen, dass es notwendig ist, zwischen unterschiedlichen Verbrauchergruppen zu differenzieren. Hierbei wäre es sinnvoll, insb. den Grad der Verletzlichkeit unterschiedlicher Verbrauchergruppen zu bestimmen.

 

3) Thesen zu den Implikationen für eine Verbraucherpolitik, die sich an den Bedürfnissen verletzlicher Verbraucher ausrichtet

3.1: Eine Verbraucherpolitik, die sich an verletzliche Verbraucher richtet, bedarf einer dezidierten Bildungskomponente.

3.2: Um Kinder als eine wichtige Gruppe verletzlicher Verbraucher zu schützen, bedarf es eines Bündels an Maßnahmen.

3.3: Gerade im Finanzdienstleistungsbereich müssen verletzliche Verbrauchergruppen geschützt und befähigt werden.

3.4: In der Gesundheitspolitik sollte ein realistischeres Leitbild zugrunde gelegt werden – ein solches legt eine Stärkung der Patientenbeteiligung auf der Makroebene nahe.

 

Weitere Informationen: http://www.vz-nrw.de/4-workshop-verbraucherforschung und http://www.vz-nrw.de/media221100A 

Quelle: Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW