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EU Untersuchung zeigt: Webseiten, die Verbraucherkredite verkaufen, bleiben hinter gesetzlichen Anforderungen zurück

Gestern wurden die Ergebnisse einer EU-weiten Überprüfung von Webseiten veröffentlicht, die Verbraucherkredite anbieten. In der Untersuchung ging es um die Frage, ob Verbraucher auf den Webseiten die Informationen erhalten, die ihnen vor der Unterzeichung eines Kreditvertrags nach dem EU-Verbraucherrecht zustehen.

In der Untersuchung wurden 562 Webseiten in den 27 Mitgliedstaaten und Norwegen und Island untersucht. Bei 393 Webseiten (70 Prozent) wurden Unzulänglichkeiten festgestellt. In Deutschland lag der Wert sogar noch höher. Hier wurden in 20 von 26 Fällen (77 Prozent) Unzulänglichkeiten festgestellt. Die nationalen Aufsichtsbehörden werden nun Kontakt mit den Anbietern aufnehmen, um die Unregelmäßigkeiten aufzuklären und ggf. abzustellen.

Insbesondere die folgenden Probleme wurden festgestellt:

  • Fehlende Angaben in der Werbung für Verbraucherkredite: Auf 258 der überprüften Websites (46 Prozent) enthielt die Werbung nicht alle gemäß der Verbraucherkreditrichtlinie obligatorischen Angaben, z. B. die Angabe des effektiven Jahreszinses, die für einen Vergleich verschiedener Angebote unerlässlich ist, Angaben dazu, ob eventuell verpflichtende Nebendienstleistungen (z. B. eine Versicherung) bei den angegebenen Gesamtkosten bereits berücksichtigt wurden, oder Angaben über die Kreditlaufzeit.
  • Fehlen wichtiger Angaben im Angebot: Auf 244 Websites (43 %) fehlten klare Angaben zu einzelnen Bestandteilen der Gesamtkosten, z. B. zur Zinsart (fest, variabel oder gemischt), gegebenenfalls zur Vertragslaufzeit und zu einigen der mit dem Kredit verbundenen Kosten (z. B. Abschlussgebühr).
  • Auf 116 Websites (20 %) war die Darstellung der Kosten irreführend, d. h., diese wurden falsch oder auf eine Art und Weise dargestellt, die den Verbraucher täuschen könnte, z. B. durch die Art der Preisberechnung oder dadurch, dass der Verbraucher nicht darüber informiert wird, dass zu den Kosten für den eigentlichen Verbraucherkredit noch Kosten für eine obligatorische Versicherung kommen.

Der für Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar John Dalli kommentierte die Ergebnisse: „Manchmal müssen Personen, die einen Kredit aufnehmen, hinterher feststellen, dass dieser sie letzten Endes teurer zu stehen kommt als ursprünglich erwartet, weil wichtige Angaben missverständlich waren oder fehlten. [...] Es ist daher ausnehmend wichtig, dass die Verbraucher von den Unternehmen richtige und vollständige Informationen erhalten. Aufgabe der Kommission ist es, dies zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden sicherzustellen.“

 

Weitere Informationen: europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do und http://www.BaFin.de/cln_235/nn_722564/SharedDocs/Artikel/DE/Service/Meldungen/2012/meldung__120110__untersuchung__verbraucherkredite.html?__nnn=true 

Quelle: Europäische Kommission